Landhotel Neugebauer - ReDesign 2007
 
 
 
deutsch   english


Kärntner Buddhismus Gastwirt

Interview mit Walter Neugebauer                       September | 2005

Diesmal hat Gastwirt-Redakteur Alexander in't Veld den Landgasthof Neugebauer in Lölling besucht. In der nordöstlichsten Ecke von Kärnten erzählte Inhaber Walter Neugebauer von Backhenderln, wie er seine Frau traf und einer wahren Sensation.

Herr Neugebauer, Sie sind nach Ihrem Vater, Großvater und Ur-Großvater die vierte Generation, die in der Gastronomie tätig ist. War Ihr Werdegang vorgezeichnet?

Ich denke, ich bin einfach meiner Berufung gefolgt. Ich bin hier in Lölling, in der Gemeinde Hüttenberg aufgewachsen und entschied bereits in frühester Kindheit, dass ich Gastwirt werde. Schon während meiner Hauptschulzeit habe ich nach dem Unterricht im elterlichen Betrieb serviert.

Der nun schon seit 150 Jahren existiert.

Das ist richtig. Anfangs war an den Betrieb auch eine Schmiede angeschlossen. Als mein Vater, der eigentlich gelernter Kaufmann war, den Betrieb übernahm, hat er sich aber vollends auf die Gastronomie konzentriert. Im Jahr 1964 hatten dann meine Eltern die Idee, Backhenderln aus eigener Zucht als Spezialität des Hauses einzuführen. Das Gericht haben wir heute noch auf der Karte und sogar durch regionale Geflügelspezialitäten erweitert. Die Backhenderln meiner Eltern waren bis in die weitere Umgebung von Hüttenberg bekannt.

Woher Sie auch heute noch Ihre Gäste rekrutieren.

Das stimmt. Unsere Gäste kommen großteils aus Friesach, Treibach-Althofen, St. Veit a.d. Glan, Klagenfurt und natürlich Lölling. Über die geographische Weitläufigkeit der Gästeschicht sind wir sehr froh, denn mit sechs familienfremden Mitarbeitern und lediglich zwei Wochen Betriebsferien im Februar, könnten wir bei einem kleineren Einzugsgebiet nicht wirtschaftlich arbeiten. Glücklicherweise unterliegt unser Betrieb keinen großen saisonalen Schwankungen. Da wir abseits der Tourismusströme angesiedelt sind, machen wir im Juni den gleichen Umsatz wie im November.

Eigentlich toll für ein klassisches Dorfgasthaus.

Grundsätzlich ja. Einzig die Verweildauer der Gäste ist inden letzten 20 Jahren deutlich gesunken. Die Leute verbringen ihre Freizeit immer öfter außerhalb der Wirtshäuser. Wenn sie gegessen haben, gehen sie wieder. Früher wurde am Stammtisch Karten gespielt, über Politik und Geschäft diskutiert oder der neueste Dorfklatsch aufgewärmt. Die gemütlichen Runden wie noch vor 15 bis 20 Jahren, die gibt es nicht mehr.

Wie versuchen Sie nun Gäste anzulocken?

Eigentlich ausschließlich durch Qualität, die sich herumspricht. Wir haben vor 12 Jahren eine Haube erkocht und so auch ein breiteres Publikum ansprechen können. Dennoch sind wir bis heute unserer Maxime treu geblieben, ein gut bürgerliches Gasthaus zu bleiben. Die Resonanz gibt uns recht. Leider hat es letztes Jahr mit der Haube nicht geklappt. Wir sind aber tunlichst bestrebt, diese Auszeichnung wieder in unser Haus zu holen.

Wie sieht die Arbeitsteilung der Familie Neugebauer aus?

Nun,während ich für das Service zuständig bin, zaubert meine Frau in der Küche. Das ist ziemlich bemerkenswert, da ihre beruflichen Wurzeln eigentlich abseits der Gastronomie liegen.

Haben Sie Ihre Frau schon gekannt, als Sie den elterlichen Betrieb 1981 übernahmen?
Nein, sie habe ich erst später kennen und lieben gerlernt. Wir haben uns im steirischen Neumarkt bei einem Gastwirteball getroffen. Sie war mit einer Freundin dort und ich mit einem Freund. Bereits am ersten Abend wusste ich: Das ist die Richtige, die werde ich heiraten. 1988 schlossen wir dann den Bund der Ehe und erfreuen uns mittlerweile an zwei gemeinsamen Töchtern.

Gibt es Anzeichen, dass die später den Betrieb fortführen werden?
Bei unserer ältesten Tochter Stephanie auf jeden Fall. So wie ich seinerzeit, besucht sie gerade die Hotelfachschule in Villach und ist von der Gastronomie begeistert. Heuer hat sie bereits zum zweiten Mal ihre Sommerpraxis bei uns im Gasthof absolviert.

Da war es für sie sicher von großem Vorteil, dass Ihr Betrieb ein breites Betätigungsfeld bietet. Bestimmt, denn wir haben 150 Sitzplätze im Gasthaus und 40 im Freien auf der idyllischenTerrasse. Dazu kommt auch noch unser kleines aber romantisches Hotel mit 12 Betten, das wir 2003 auf den jetzigen Stand brachten. Die Qualität gereicht einem 4-Sterne Betrieb, wobei wir tatsächlich aber mit dreien eingestuft sind. Für 4 Sterne fehlt der Rezeptionsbereich. Alle unsere Zimmer haben Dusche und WC, Radio und Sat-TV. Im Keller bieten wir einen Mini-Wellnessraum mit Sauna, Schönheitspflege, Solarium und einer Massagemöglichkeit an.

Die derzeitige Aufbruchstimmung rund um den Wörthersee hat also auch vor Lölling nicht Halt gemacht.
Tatsächlich ist derzeit so manches in Bewegung, woran die Kärnten Werbung einen großen Anteil hat. Es sind einige Projekte im Laufen, die Mut machen. So auch in unserer Gemeine Hüttenberg.

Jetzt haben Sie mich aber neugierig gemacht.

Robert Rogner jr. möchte in Hüttenberg ein Wellnesshotel bauen, das mit dem Land Tibet in Verbindung steht. Die eigentliche Sensation ist aber, dass Hüttenberg die Heimat des Dalai Lama in der wesentlichen Welt werden soll, der auch mit dem Ehrenschutz des Hotels betraut wurde.

Das ist ja unglaublich spannend. Wie kam es dazu?
Hintergrund ist, dass in unserer Gemeinde Prof. Heinrich Harrer wohnt, der nach dem 2. Weltkrieg Lehrer und späterer Freund des Dalai Lama wurde. Diese Freundschaft besteht bis heute. Darüber hinaus steht in Hüttenberg auch das Heinrich Harrer Museum mit einem buddhistischen Gebetsraum, der 1992 persönlich vom Dalai Lama geweiht wurde. Robert Rogner hatte die Idee, das Hotel unter das Motto "Tibetologie - Körper, Geist und Seele im Einklang" zu stellen. Tibetanische Mönche, Gelehrte und Professoren werden das Bauprojekt überwachen, der dem ehemaligen Sitz des Dalai Lama nachempfunden werden soll.

Da kann man ja nur gespannt abwarten und den spirituellen Werdegang von Hüttenberg beobachten. Vielen Dank, Herr Neugebauer, für dieses außerordentlich nette Gespräch.


Gastwirt Nr. 09/05